Die Feuerwehr Ensdorf berichtet über ihren Hilfseinsatz im Katastrophengebiet Ahrtal
Zum zweiten Mal innerhalb von 3 Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe im Ahrtal ereilte ein Hilfeersuchen aus Rheinlandpfalz über das saarländische Innenministerium unseren Landkreis Saarlouis. Zusammen mit Feuerwehrangehörigen der Feuerwehren Saarwellingen, Nalbach und deren Katastrophenschutzfahrzeugen wurde der Gerätewagen Logistik der Feuerwehr Ensdorf mit insgesamt 6 Feuerwehrangehörigen aus Ensdorf zu einem Zug zusammengestellt.
Bereits am Vorabend des letzten Freitages wurden auf unser Fahrzeug alle vorübergehend entbehrlichen Pumpen, Hochdruckreiniger, Abstützmaterial sowie sonstiges technisches Gerät verladen.
Am Samstag, den 31.07.2021 war dann früh morgens gemeinsame Abfahrt für die 24 Helfer im Zugverband in Richtung Ahrtal. Die Zugführung der Einheit wurde durch die Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Saarlouis unserem Kameraden Jörg Kneip zugewiesen, da dieser bereits seit vielen Jahren in der Stabsarbeit des Katastrophenschutzes tätig ist.
Nach der Ankunft an einem Sammel- und Versorgungspunkt wurde unserem Zug die Ortschaft Ahrbrück als Einsatzgebiet zugewiesen Bereits auf der Anfahrt dorthin überwältigte uns die totale Verwüstung einzelner Ortschaften und Landstriche. Obwohl durch die ersten Hilfeleistungstrupps schon einige Straßen passierbar gemacht wurden, waren die Eindrücke der Zerstörungen wesent-lich tiefer als dies durch die Medien vermittelt werden kann.
Vor Ort nahm unser Zugführer sofort Kontakt zum dortigen Bürgermeister und seinem Führungs-stab auf, um für uns die vordringlichsten Einsatzstellen abzuklären. Dies waren am Anfang noch überflutete und mit Schlamm vollgelaufene Keller und Wohnungen. Die Ahr hatte in Ahrbrück in-nerhalb kürzester Zeit einen Wasserstand von etwa 8 Metern über Normal erreicht, so dass die meisten Straßen und Häuser, Firmen und Geschäfte bis einschließlich zum ersten Obergeschoss geflutet wurden. Das Wasser wurde an den Brücken durch mitgerissenes Material, Autos, Wohn-anhänger, Bäume und Sträucher dermaßen aufgestaut, dass der Wasserdruck die meisten Brücken komplett zerstörte oder diese sogar gänzlich mitriss.
Leider gibt es dadurch in Ahrbrück auch viele Tote und weiterhin vermisste Personen zu beklagen. Das öffentliche Leben ist vollends zusammengebrochen und die Infrastruktur mit Wasserversor-gung, Stromversorgung sowie der Kanalisation zerstört. Es gibt kein fließendes Wasser, für die Be-völkerung wurden in den Straßen Toilettenhäuschen aufgestellt. Wir teilten uns vor Ort auf, so dass wir an allen betroffenen Häusern klopfen und den Leuten direkt unsere Hilfe anbieten konnten. Viele der Einwohner nahmen unser Angebot auch dankbar an. Da vor Ort vor allem mit Öl befeuer-te Heizungsanlagen betrieben wurden stellt das ausgelaufene Heizöl die Bewohner vor die nächs-ten Herausforderungen. Nicht nur, dass der Schlamm, der Hausrat, das eigene Hab und Gut sowie jede Menge angeschwemmter Müll aus den Häusern entfernt werden mussten, kommt jetzt auf die meisten Hausbesitzer noch eine Kernsanierung mit dem kompletten Entfernen des Innen- und Außenputzes, aller Böden einschließlich Estrich und aller Ver- und Entsorgungsleitungen zu.
Um hier die bestmögliche Hilfe leisten zu können wurden durch unseren Landkreis kurzfristig 15 Bohr- und Meißelhämmer beschafft, die dann durch unseren Kreisbrandinspekteur bereits am Dienstagmorgen angeliefert wurden. Vor Ort und in der näheren Umgebung ist Werkzeug rar oder gar nicht mehr zu bekommen. Mit diesen Maschinen konnten wir dann gezielt bei vor allem älteren Betroffenen die notwendige Hilfeleistung erbringen. Die Menschen vor Ort waren über unseren Einsatz überglücklich, einige brachen auch in Tränen aus, da sie bereits keinen Ausweg mehr für sich sahen, andere hatten ihre Lebensfreude und ihren Humor auch schon zurück. Insgesamt herrschte auch bei uns trotz der vielen Arbeit eine sehr gute Stimmung. Untergebracht waren wir wie die meisten anderen Freiwilligen in der Stadt der Helfer, einem riesigen Zeltplatz mit sanitärer Infrastruktur und Verpflegungsstelle am Nürburgring. Hier muss den Kameraden des THW ein deutliches Kompliment für die überragende logistische Arbeit ausgesprochen werden.
Leider mussten wir unseren Einsatz dann nach einer Woche beenden und den Rückweg antreten.
Wir kamen als Helfer und verabschiedeten uns als Freunde von den Bewohnern aus Ahrbrück.
Vielen Dank allen Helfern unseres Zuges, aber auch allen anderen vor Ort befindlichen Helfern und Unterstützern der verschiedenen Hilfeleistungsorganisationen sowie den Privatpersonen.
Aber für die betroffenen vor Ort ist weiterhin eine größtmögliche, vor allem finanzielle Unterstüt-zung notwendig, da viele keinen entsprechenden Versicherungsschutz gegen Elementarschäden hatten.