Kommunale Wärmeplanung beschlossen - wichtiger Kompass für Ensdorfs Zukunft
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Der Gemeinderat der Gemeinde Ensdorf hat in seiner Sitzung am 25. Juni 2026 die kommunale Wärmeplanung einstimmig beschlossen. Dass alle Fraktionen den Beschluss gemeinsam getragen haben, unterstreicht die Bedeutung dieses Zukunftsprojekts und zeigt: Die Wärmewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur gemeinsam gelingen kann.
Die gemeinsam mit den Nachbargemeinden Bous und Schwalbach erarbeitete kommunale Wärmeplanung ist kein verbindlicher Maßnahmenplan, sondern ein strategischer Leitfaden. Sie zeigt auf, wie die Wärmeversorgung bis zum Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 schrittweise nachhaltiger, wirtschaftlicher und zukunftssicher gestaltet werden kann. Gleichzeitig schafft sie Transparenz und Planungssicherheit für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Investoren. Die Bestandsanalyse zeigt deutlich, von welchem Ausgangspunkt Ensdorf startet: Rund 79 Prozent der Gebäude sind Wohngebäude, zwei Drittel wurden bereits vor 1979 errichtet – also vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung – und bieten damit erhebliche Potenziale für energetische Sanierungen. Der jährliche Wärmebedarf beträgt derzeit rund 52 Gigawattstunden (GWh), der Endenergiebedarf rund 60,7 GWh. Davon entfallen rund 51 Prozent auf Erdgas, knapp 30 Prozent auf Fernwärme, rund 16 Prozent auf Heizöl und etwa drei Prozent auf Strom beziehungsweise Wärmepumpen. Insgesamt werden heute noch rund 68 Prozent der Wärme aus fossilen Energieträgern bereitgestellt. Gleichzeitig verfügt Ensdorf bereits über eine im Vergleich zu vielen Kommunen sehr gute Ausgangslage für die Wärmewende. Neben drei bestehenden Nahwärmenetzen der Gas- und Wasserwerke Bous-Schwalbach mit einer Gesamtlänge von rund 700 Metern ist die Gemeinde bereits seit 1979 an die Fernwärmeschiene Saar angeschlossen. Diese verläuft auf einer Länge von rund 1,5 Kilometern durch das Gemeindegebiet und wird vom Entsorgungsverband Saar (EVS) mit nachhaltiger Fernwärme aus der Abfallverwertungsanlage Velsen sowie aus Deponiegas versorgt. Insgesamt speist der EVS jährlich rund 170.000 MWh Wärme in die Fernwärmeschiene Saar ein. Die vorhandene Infrastruktur bildet damit eine ausgezeichnete Grundlage, um bestehende Netze weiter auszubauen, zusätzliche Gebäude anzuschließen und künftig regionale Wärmequellen wie Grubenwasser, Gewässerwärme oder Abwärme in die Wärmeversorgung einzubinden.
Auf dieser guten Ausgangslage baut auch die kommunale Wärmeplanung auf. Ein Schwerpunkt ist der weitere Ausbau und die Nachverdichtung von Nah- und Fernwärmenetzen. Hierfür wurden mehrere Eignungs- und Prüfgebiete identifiziert, in denen Wärmenetze künftig technisch und wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden könnten. Dort sollen möglichst viele Gebäude klimafreundlich mit regional erzeugter Wärme versorgt werden. In Gebieten, in denen ein Wärmenetz nicht wirtschaftlich umsetzbar ist, setzt die Wärmeplanung auf energetische Gebäudesanierungen, den Einsatz moderner Wärmepumpen sowie weiterer erneuerbarer Heizsysteme. Neben des eben erwähnten Nah- und Fernwärmeausbaus gibt es natürlich noch weitere Potenziale die unsere Gemeinde auszeichnen: als ehemaliger Bergbaustandort verfügt die Gemeinde über besondere Standortvorteile. So besitzt das Grubenwasser ein erhebliches Wärmepotenzial. Zwar sind für eine belastbare Nutzung noch weitergehende Untersuchungen erforderlich, doch die jährlich geförderten rund 19 Millionen Kubikmeter Grubenwasser verdeutlichen das große energetische Potenzial. Ein weiteres herausragendes Potenzial liegt in der Saar. Nach den Untersuchungen der Wärmeplanung könnte die Gewässerwärme der Saar den gesamten Wärmebedarf Ensdorfs bilanziell decken. Besonders das ehemalige Kraftwerksgelände bietet hierfür interessante Perspektiven, da dort bereits Infrastruktur wie Wasserbauwerke und Netzanbindungen vorhanden sind. Vor einer Umsetzung sind allerdings noch wasserrechtliche, technische und wirtschaftliche Fragen im Rahmen vertiefender Planungen zu klären. Auch die Kläranlage eröffnet neue Möglichkeiten. Dort wurde ein technisches Wärmepotenzial von rund 6 GWh pro Jahr ermittelt. Ergänzend bieten die Hauptabwassersammler eine dauerhaft verfügbare Umweltwärmequelle, die mithilfe von Großwärmepumpen für Wärmenetze nutzbar gemacht werden kann. Darüber hinaus verfügt Ensdorf über ein erhebliches Potenzial für den Ausbau der Photovoltaik. Auf Dachflächen könnten künftig rund 72 GWh Strom erzeugt werden, auf geeigneten Freiflächen weitere 122 GWh.
Das Zielszenario für das Jahr 2045 sieht den vollständigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern vor. Durch energetische Sanierungen und moderne Heiztechnik soll der Endenergiebedarf auf rund 36 GWh pro Jahr sinken. Etwa 80 Prozent der Wärme sollen künftig über klimaneutrale Wärmenetze bereitgestellt werden, rund 16 Prozent über Wärmepumpen und vier Prozent über biogene Energieträger. Mit dieser Entwicklung werden auch die CO₂-Emissionen deutlich reduziert. Von heute rund 16,8 Kilotonnen pro Jahr sollen sie bis 2030 auf 11,1 Kilotonnen, bis 2035 auf 7,0 Kilotonnen, bis 2040 auf 3,2 Kilotonnen und bis 2045 auf nur noch etwa 1,4 Kilotonnen sinken. Das entspricht einer Verringerung um mehr als 90 Prozent. Der kommunale Wärmeplan wird regelmäßig überprüft und spätestens alle fünf Jahre fortgeschrieben. Zu den ersten Umsetzungsschritten gehören unter anderem der Ausbau und die Nachverdichtung bestehender Wärmenetze, Machbarkeitsstudien für neue Wärmenetzgebiete, die vertiefte Untersuchung des Grubenwasserpotenzials, Beratungsangebote zur energetischen Gebäudesanierung, Informationsangebote zur Energie- und Wärmewende sowie die Sanierung des kommunalen Gebäudebestands. Mit dem einstimmigen Beschluss hat der Gemeinderat den Startschuss für einen langfristigen Transformationsprozess gegeben. Ensdorf verfügt über hervorragende natürliche und infrastrukturelle Voraussetzungen, um die Wärmewende erfolgreich zu gestalten. Die kommunale Wärmeplanung bildet dafür den Fahrplan – nun gilt es, die identifizierten Potenziale gemeinsam mit Energieversorgern, Unternehmen sowie den Bürgerinnen und Bürgern Schritt für Schritt in konkrete Projekte umzusetzen und so eine sichere, nachhaltige und zukunftsfähige Wärmeversorgung zu schaffen.