Vom Kohle- zum Gas- und Dampfkraftwerksstandort - H2 ready?
Endlich mal wieder eine gute Nachricht für unsere Gemeinde. In der vergangenen Woche kam die Information aus dem Wirtschaftsministerium von Wirtschaftsminister Jürgen Barke, dass die ENGIE Deutschland AG den Zuschlag für eine Teilfläche auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände erhalten hat. Dort soll ein wasserstofffähiges Gas- und Dampfturbinenkraftwerk entstehen, das im Rahmen der Kraftwerksstrategie des Bundes an den Ausschreibungen für neue H₂-ready-Kraftwerke teilnehmen soll. Nach Aussage des Ministers sollen damit die Voraussetzungen für ein Zukunftsprojekt mit großer Bedeutung für das Saarland geschaffen werden. Die endgültige Umsetzung hängt allerdings von einem erfolgreichen Zuschlag im Ausschreibungsverfahren des Bundes ab. Damit könnte der Standort künftig erneut eine wichtige Rolle für die Energieversorgung Deutschlands übernehmen. Im Rahmen der Kraftwerksstrategie des Bundes sollen neue wasserstofffähige Kraftwerke entstehen, die immer dann einspringen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichend Strom liefern. Bundesweit werden dafür geeignete Standorte gesucht.
Ensdorf bringt für dieses Szenario besondere Voraussetzungen mit. Der Standort ist seit Jahrzehnten durch die Energieerzeugung geprägt und verfügt bereits über eine leistungsfähige Anbindung an das Höchstspannungsnetz. Gerade diese Netzanbindung ist ein entscheidender Vorteil, denn neue Kraftwerke müssen die erzeugte Energie zuverlässig in das deutsche Stromnetz einspeisen können. Viele andere Standorte verfügen zwar über freie Flächen, jedoch nicht über vergleichbare infrastrukturelle Voraussetzungen.
Hinzu kommt die Lage unserer Industrieregion. Mit der Dillinger Hütte, Saarstahl und weiteren Industrieunternehmen befinden sich große Energieverbraucher – insbesondere aus der Produktion grünen Stahls - in unmittelbarer Nähe.
Wer ist ENGIE?
ENGIE ist ein international tätiger Energiekonzern mit Hauptsitz in Paris und zählt zu den größten Energieunternehmen Europas. Das Unternehmen ist in den Bereichen Stromerzeugung, Gasversorgung, erneuerbare Energien, Wasserstoffprojekte, Energieinfrastruktur sowie Kraftwerksentwicklung und -betrieb tätig. Für uns ist es besonders bedeutsam, dass ENGIE bereits über umfangreiche Erfahrungen beim Bau und Betrieb moderner Gas- und wasserstofffähiger Kraftwerke verfügt und europaweit Projekte der Energiewende vorantreibt. Sollte Ensdorf also als Standort für ein H₂-ready-Kraftwerk ausgewählt werden, stünde mit ENGIE bereits ein erfahrener Projektentwickler zur Verfügung – ein wichtiger Vorteil gegenüber vielen anderen Standorten.
Auch die zukünftige Wasserstoffwirtschaft spricht für Ensdorf. Zwar wird für die geplanten Kraftwerke zunächst vor allem die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit entscheidend sein, langfristig gewinnt jedoch die Anbindung an die entstehende Wasserstoffinfrastruktur zunehmend an Bedeutung. Die Entwicklungen rund um das Wasserstoff-Kernnetz und die Versorgung der saarländischen Stahlindustrie könnten dem Standort zusätzliche Perspektiven eröffnen.
Natürlich steht Ensdorf im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Standorten in Deutschland. Dennoch vereint der ehemalige Kraftwerksstandort viele Eigenschaften, die heute nur noch selten gemeinsam anzutreffen sind: vorhandene Energieinfrastruktur, gute Netzanbindung, industrielle Nachfrage und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.
Damit bietet sich für Ensdorf die Chance, an seine energiepolitische Bedeutung anzuknüpfen und Teil der nächsten Generation moderner, wasserstofffähiger Kraftwerke in Deutschland zu werden.
Der Bürgermeister freut sich darüber, dass sich für das Kraftwerksgelände neue Perspektiven eröffnen. Gleichzeitig haben die Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass zwischen Ankündigungen und tatsächlicher Umsetzung oft noch ein weiter Weg liegt. Deshalb ist er optimistisch, aber mit der nötigen Vorsicht – und hoffe, dass diesmal aus den Plänen auch Realität wird.